No-Dig gärtnern – kein Jäten, geht das?

No-dig – was steckt dahinter?

Im Garten gehört nicht alle Aufmerksamkeit den Pflanzen, die wir so besonders lieben. Dies betrifft sowohl den Gemüsegarten als auch die Fläche, wo Pflanzen wachsen sollen oder können. Jäten, „Unkraut“ entfernen (manchmal braucht es eine Extraportion Entspanntheit, die „Beikräuter“ zu mögen), all dies benötigt Zeit und Muskelarbeit.

No-dig, auf Deutsch „kein Jäten“ hat dagegen einen entspannten Charakter. Geht das, und habe ich bis jetzt alles falsch gemacht?

No-Dig auf spezifischen Flächen

Natürlich bleibt es dabei; wo Flächen nicht gepflegt werden, regiert in kurzer Zeit die Natur. Also ist das kein Allzweck- Mittel, um möglichst arbeitsfrei einen Garten zu bewirtschaften. Schade!

Doch das Prinzip hat einen ganz anderen Zweck!

Bei No-Dig geht es nicht darum, die Flächen nicht zu bewirtschaften. Der Zweck ist einzig und allein dieser, auf bewachsenem Boden nur Platz für das Gemüse freizumachen und rundherum wieder zuzudecken. Ein komplettes Freigraben der Erd- Oberfläche wird vermieden. Warum?

Die Krume wird geschont

Die oberste Erdschicht ist die „Krume“. Wie der Name verrät, ist diese Schicht locker und krümelig. Das lockere Gefüge lässt Luft und Wasser bis in mehrere Zentimeter Tiefe. Davon profitiert alles im Erdreich: Pflanzen mit den Wurzeln, die ganze Mikrowelt. Brennende Sonnenstrahlung dörrt diese Schicht aus, verdichteter Oberboden lässt kein Wasser ablaufen, der Boden erstickt und verliert wertvolle Nährstoffe dabei. Die Schicht ist der biologisch aktivste Bereich des Bodens. Stimmt dieser, sind die Voraussetzungen für die Pflanzen perfekt!

Beim Umpflügen wird der natürliche Boden-Aufbau jedes Mal gestört und damit geschwächt. Doch das muss nicht sein. Und die Natur pflügt ja auch nicht regelmässig alle seine Flächen !

Der Bio-Gärtner Charles Dowding gilt als der Erfinder. Er propagiert die No-Dig Methode als „mehr Gemüse mit weniger Arbeit“ seit den 1980er Jahren und hat in seinem Youtube Kanal eine Vielzahl an Informationen bereit (englisch):

Hier geht es zu Charles Dowdings Kanal

Wie lege ich einen No-Dig Gemüse-Garten an?

Ein Trick für einen Gemüsegarten ohne umzugraben ist eine klare Abgrenzung, wo der No-Dig Gemüsegarten anfängt und wo er fertig ist- vergleichbar mit einem Hochbeet. Tatsächlich können auch Hochbeetrahmen eingesetzt werden, wie diesen hier in unserem Shop:

Hochbeet-Palettenrahmen

Als Erstes legst du Karton auf die bestehende Fläche. Und ja, es ist fragwürdig, ob Karton in die Natur gehört. Ein Fazit, viel diskutiert, kann sein, dass möglichst unbedruckter Karton einmal eingesetzt werden muss. So wächst Gras nicht auf dieser Fläche, die Gemüsegarten werden soll.

Bitte nehmt als Abdeckung von bestehendem Grün keine Kunststoff-Folie, wie das seit wenigen Monaten vorgeschlagen wird, wenn kein Karton eingesetzt werden soll. Nein! Denn Kunststoff zersetzt sich, nicht vollständig, aber eben teilweise. So kommen Kunststoff-Partikel in die Erde. Das ist kaum Ziel der Sache. Auch Pflanzengifte sind vermeidbar!

Auf die Abdeckschicht kommt um die 20cm fertige Erde darauf. Es eignet sich Komposterde, „Hochbeeterde“ oder was ihr erhalten könnt. Im Gegensatz zum Hochbeet auf einer Terrasse hat diese Erde in kurzer Zeit Kontakt mit der Mikrowelt in der bestehenden Erde. Alle Kleinlebewesen, Pilze usw, die natürlich in der Erde mit den Pflanzen im Austausch leben, sind da.

Fertig? Fast!

Die Bedeutung des Mulchens

Hast du in der Natur fruchtbaren Boden gesehen, der über längere Zeit unbedeckt blieb? Wahrscheinlich kaum. Denn es liegt in der Kraft der Natur, dass jedes Lebewesen sich versucht, bestmöglichst zu entwickeln. Und so ist die verfügbare Ressource Boden innert Kürze besetzt, zuerst von den Schnellen, später von den beständigen Pflanzen.

Zu den Schnellen gehören all die Kräuter, die dich beschäftigen, anstatt dass du dich auf die gepflanzten Gemüsesetzlinge oder Jungpflanzen konzentrieren kannst.

Viel Fläche für Beikräuter bei unbedecktem Boden
Viel Platz für unerwünschte Kräuter im Beet – Photo by https://unsplash.com/@markusspiske

Simuliere bewachsenen Boden!

Mit einer Abdeckung aus geeignetem Mulch deckst du die oberste Erdschicht ab. Dies hat entscheidende Vorteile:

  • Neue, meist unerwünschte Pflanzen können nicht wachsen.
  • Der Boden bleibt unter der Mulchschicht feucht. Dies schützt Flachwurzler wie Tomaten vor Wurzelstress und stärkt damit gegen die Anfälligkeit auf Krankheiten.
  • Mit hellem Mulch wird die oberste Erdschicht nicht so stark erhitzt wie bei blosser Erdschicht. Die Wurzeln werden wiederum geschont.
  • Der Wasserverbrauch sinkt. Die Verdunstung wird reduziert, da die Mulchschicht deutlich trockener ist als die Erde darunter.
  • Die Mikrowelt im Boden kann bis zu oberst leben. Die ganze Erde lebt und ist für die Pflanze verfügbar.

Welchen Mulch soll ich nehmen für mein Gemüsebeet oder Hochbeet?

Mulch ist kurz gesagt pflanzliches Material, das noch nicht verrottet ist. Wenn du davon in der Nähe hast, nimm das! Entscheidende Unterschiede gibt es trotzdem bei den verschiedenen Materialien:

  • Rindenmulch und Hackschnitzel: Die wahrscheinlich kostengünstigsten Materialien sind gut erhältlich und sehen gut aus. Denke daran, dass diese bei der Verrottung den Boden saurer machen. Mit einer Kompostgabe in der nächsten Saison und/oder der Zugabe von Kalk kannst du diesen Effekt kompensieren.
  • Laub: Im Herbst zu Hauf vorhanden, kannst du dieses gut für die Abdeckung des Gemüsegartens einsetzen. Achte darauf, dass du nicht zuviel nasses Laub aufs Mal aufträgst. Denn eine dichte Laubschicht verhindert den Sauerstoffaustausch des Bodens mit der Luft. Das mögen die Lebewesen im Boden nicht.
  • Grasschnitt: Eine gute Möglichkeit, dieses Material einzusetzen anstatt zu entsorgen. Du kannst gern 5cm dick auftragen. Hier sollten allerdings keine Pflanzensamen von Überlebenskünstlern wie  Blacken oder vom Rispengras in die Beete, sonst bringst du das „Unkraut“ selber in das Beet.
  • Schilfmulch aus der Pflanze „Chinaschilf“ (Miscanthus): Unser Favorit! Warum? Dieser Mulch hat entscheidende Vorteile. Die gehäckselten Stängel haben unzählige Lufteinschlüsse, die wie eine Isolation wirken, ohne dass die Luft nicht zwischen den Stängeln zur Erde kommt. Die helle Farbe schützt den Boden vor zu starker Erwärmung und durch den hohen Kohlenstoffanteildes Materials verrottet der Schilfmulch nur sehr langsam und ohne Versauerung.

Du kriegst das Miscanthus Schilfmulch bei einigen Gartengeschäften und hier in unserem Shop.

Miscanthus Schilfmulch

Wie pflege ich einen No-Dig Garten?

Dein No-Dig Hochbeet oder -Gemüsebeet braucht nicht viel Pflege. Achte auf eine ausgeglichene Nährstoff-Versorgung:

  • Hast du beim Erstellen bereits ca. 20cm sehr gute Erde verwendet, so reicht eine 2-5cm Kompostschicht im Herbst mit einer Mulchschicht und über den Winter. Natürlich kann da auch etwas wachsen; Winterportulak, Federkohl, SChnittlauch, Kohlsorten usw.
  • Andernfalls empfiehlt es sich, die Erde mit gut durchwachsener Schwarzerde zu ergänzen.

Ab und zu ziehst du Keimlinge aus, die es trotz deiner dicken Mulchschicht von 5cm geschafft haben, zu wachsen.

Den Resten erledigen die Bodenlebewesen von winzig (Einzellern) bis gross (Regenwürmern) für dich.

Viel Spass!